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@Anna Momber-Heers

Wie Du Dich durch Vorbereiteritis aktiv davon abhalten kannst weiterzukommen

Ich habe vor einiger Zeit die Blogparade von Gabi Golling „den Arsch hoch kriegen und Gewohnheiten verändern“ genutzt, um meine liebste Veränderungs-Verhinderungs-Methode zu beschreiben:

VORBEREITERITIS!

Es ist ein Verhalten von höchster Aktivität, exakt ausgerichtet auf Dein angestrebtes Ziel, mit der Garantie NICHTS zu bewirken!
Wir handeln meistens so, wenn wir innerlich eigentlich nicht daran glauben, dass wir unser Ziel erreichen werden, zum Beispiel weil wir schon so viele Rückschläge einstecken mussten, dass wir einfach Angst vor dem nächsten Schlag haben.

Es ist auf jeden Fall die effektivste Handbremse für Veränderung und Entwicklung, die ich kenne. 

Sie ist so heimtückisch, weil Du glaubst, Du gibst gerade alles was Du kannst, Du investierst in Dein Ziel.
Und das tust Du auch wirklich.
Es ist ja eben nicht offensichtliche Prokrastination*.
Du machst Dinge, die unmittelbar mit Deinem Ziel zu tun haben und nicht irgendwas anderes, was auch mal getan werden könnte.

Tragischer Weise führt Dich Deine Handlung jedoch ganz knapp vorbei an Deinem Ziel, verhindert am Ende wirkliche Veränderung und sorgt ganz schlicht dafür, dass Du nicht vorankommst.
Wie ein Sprinter, der auf der Stelle läuft.
Er verbrennt Fett, wird aber nie durch’s Ziel kommen.

Ein klassisches Beispiel meiner Schauspiel-Klienten (bei allen anderen gibt es das auch) ist: „Ich werde die Caster anrufen, wenn ich die neue Fotos gemacht habe / mein Demo neu geschnitten habe / meine Webseite überarbeitet habe…“
Leider verschaffen Fotos, Webseite und Band alleine nur sehr selten Jobs. Man muss sein Werbematerial schon zum Kunden, in diesem Fall zum Caster bringen.
Das Irrste daran ist, dass Fotos, Webseite und Demo ja meistens eine gewaltige finanzielle Investition sind und die meisten Schauspieler nicht gerade im Geld schwimmen.

Und doch würden einige lieber mehr Bewerbungsmaterial herstellen, mehr Geld ausgeben, bevor sie das tun was ihnen weiterhelfen würde. Zum Beispiel zum Telefonhörer greifen und endlich wirklich Kontakte machen.

Ein Beispiel aus der Vorbereitung auf einen Vortrag ist: Moderationskarten zu schreiben.
Manch ein Vortragsredner schreibt Karten voll mit allen Stichpunkten, die er eigentlich längst im Kopf hat, nur um den nächsten Schritt, den Text laut zu sprechen, sich auf die Bühne zu wagen, nicht gehen zu müssen.

Eines aus dem Bereich persönliche Projekte ist: Sportklamotten kaufen, sich über Lauftechniken informieren, anstatt die alten Turnschuhe zu nehmen, die man noch im Schrank hat und loszulegen. Anstatt am ersten Tag so weit und lange zu laufen, bis man keine Lust mehr hat.
Oder Du verschiebst das Gespräch über Dein Unglück in Deiner Beziehung lieber noch mal, weil erst noch geklärt werden muss, wer wann was erledigt für die anstehenden Ferien. Anstatt das mit dem Unglück VOR den Ferien anzusprechen…

VORBEREITERITIS!

Alles das, was wir benutzen um uns auszubremsen IST an sich wichtig.
Nur nicht jetzt oder nicht schon wieder oder nicht in dem Ausmaß.

Oft fühlt es sich sogar gut an, wenn Du Dich mit Vorbereitung davon abhältst, wirklich etwas zu verändern. Du bewegst dich ja. Manchmal ist es sogar erfüllend, wenn Du Dich der Vorbereiteritis hingibst. Es kann Spaß machen! Was immer Du da machst…

Das vertrackte ist, weil es an sich wichtig ist, weil Du dabei aktiv bist und weil Du mittendrin steckst, ist es nicht so leicht zu erkennen, dass Du dir gerade selber im Weg stehst.

Hier sind ein paar Zeichen, an denen Du erkennen kannst, dass Du Vorbereiteritis hast:

  • Du hast das Ganze vor kurzem schon mal gemacht
  • Du machst und machst, doch das Ziel rückt weiter in die Ferne
  • Du spürst eine große Erleichterung, wenn Du tun kannst was Du tust (nicht Spaß, wirklich Erleichterung!)
  • in Gesprächen mit vertrauten Menschen würdest Du lieber nicht erzählen, was Du gerade machst

Hier ein paar Tips, die Dich vor Vorbereiteritis schützen können:

  • steck Dir konkrete und belegbare Ziele
  • überprüfe regelmäßig Dein Vorankommen
  • lerne deine Handbremsen kennen
  • bemühe Dich um eine realistische Einschätzung Deiner Möglichkeiten (auch Dein Tag hat nur 24h)
  • hab Mut zur Lücke!

Manchmal ist die Vorbereiteritis auch sinnvoll. 

Wenn ich zum Beispiel gar nicht wirklich laufen gehen möchte – und es auch nicht nötig ist, weil ich eh genug auf den Beinen bin.
Dann ist sie das Zeichen dafür, Dich neu auszurichten. Und es liegt an Dir Dich dabei ernst zu nehmen!

Wenn Du den Verdacht hast, dass Du an „Vorbereiteritis“ leidest, gibt es eine einfach „Heilmethode“: überspring den aktuellen Schritt einfach und mach gleich den nächsten Schritt!

Wenn Du etwas voranbringen, eine Veränderung in deinem Leben bewirken, ein persönliches Ziel erreichen möchtest, wirst Du größere oder kleinere innere Hürden überwinden müssen.

Es beginnt immer mit dem ersten Schritt. 

Die Richtung und die angemessene Dosis sind dann verdammt wichtige Regulatoren, von denen abhängen kann, ob Du Dein Ziel auch erreichst.

Und manchmal macht es Sinn gleich den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen…

Viel Spaß beim ausmisten all deiner Vorbereiteritis-Angewohnheiten ;-),
Anna

(dieser Artikel wurde in Blog von AnMohe! Zuerst veröffentlicht

  • *(lateinisch procrastinare „vertagen“; Zusammensetzung aus pro „für“ und cras „morgen“), auch extremes Aufschieben, ist eine Arbeitsstörung, die durch ein nicht nötiges Vertagen des Arbeitsbeginns oder auch durch sehr häufiges Unterbrechen des Arbeitens gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen der …

    Prokrastination – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Prokrastination

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