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©Nina Grützmacher

Von der Angst, dass Dir was weggenommen werden könnte

Ich hab da (mal wieder) eine Theorie…

Angefangen hat alles so circa 1983/84 in einem Westberliner Bus, morgens auf dem Weg zur Schule. Es hatte geschneit und zwar richtig viel. Der Bus war proppenvoll und ich vermute mein riesiger Schulranzen hat den einen und den anderen im Bus etwas genervt.
Die Stimmung in den morgendlichen Berliner Bussen war grundsätzlich eher mies und an diesem Morgen standen an den Bushaltestellen viel zu viele bibbernde Menschen.
Mir dämmerte das erste Mal, dass bei uns Berliner irgendwas nicht ganz stimmen kann, als der Busfahrer dann einfach weiterfuhr, ohne anzuhalten und obendrauf, zusammen mit sehr vielen anderen Fahrgästen, laut auf die Menschen da draußen schimpfte, was das für Deppen seien und es sei ja wohl vorher klar gewesen, dass sie jetzt natürlich auch noch hinter dem weiterfahrenden Bus her schimpften würden, dass es solche Menschen überhaupt geben darf… Nee, also wirklich…

Auch wenn ich die Situation merkwürdig fand und das Verhalten der Leute um mich unangenehm war, ich kannte nichts anderes und so hielt ich es für normal.

Aufgelöst hat sich diese Selbstverständlichkeit, so ein skurriles Verhalten normal zu finde, für mich erst 25 Jahre später.
Als ich von Berlin nach Hamburg gezogen bin, musste ich Stück für Stück anerkennen, dass der Berliner in Wahrheit keine „besondere“ Art und Weise der Freundlichkeit besitzt, sondern ganz einfach unfreundlich ist.

Erkennen konnte ich das, weil die meisten Hamburg wirklich wesentlich hilfsbreiter sind, als ich das gewöhnt war.
Ich hätte zig Geschichten, die meine Beobachtung von der deutlich größeren Hilfsbereitschaft der Hamburger unterstreichen. Sogar zwei Storys über Hamburger Busfahrer!
Aber ich will nur eine erzählen und in der kommt kein Busfahrer, sondern ein Konkurrent von mir vor.

Als ich vor 8 Jahren nach Hamburg kam, musste ich hier vollkommen neu anfangen.

In Berlin hatte ich es gerade geschafft mir einen kleinen Kundenstamm aufzubauen, doch hier in Hamburg kannte ich wirklich niemanden.
Doch zum Glück gab es da ja bereits Xing, das damals noch openBC hieß.
Und dort fand ich erstaunlich schnell, erstaunlich viele Kontakte und einer wohnte und arbeitete gar nicht so weit weg von mir und schlug mir vor, wir könnten ja zusammen Mittagessen.
Das habe ich sehr dankbar angenommen.

Bei unserem Essen hat er mir dann viel über den Bezirk erzählt, in dem wir nun beide lebten.
Und ich fand das bereits erstaunlich nett.
Doch dann wurde es beruflich und er machte munter weiter damit, mir alles genau zu erklären. Er schlug mir vor, wen ich unbedingt noch kennen lernen sollte, wo ich noch hingehen könnte und so weiter…
Ich saß da, starte ihn vermutlich an und habe mich wirklich gefragt, ob er nen Knall hat. Denn seine Dienstleistung war meiner sehr, sehr ähnlich. Tatsächlich waren wir sowas wie Konkurrenten.
Und trotzdem teilte er munter eine gute Idee nach der anderen mit mir.

Seine Ideen waren wirklich gut und unser Treffen hat mir einen enormen Anschub gegeben.
Lange habe ich mich gefragt, was ihn damals bloß angestiftet haben könnte, all das mit mir zu teilen, wo ich doch ein Mitbewerber um seine Kunden war.
Anschliessend habe ich ähnliches mit anderen Menschen immer wieder erlebt.

Ich liebe diese offene Haltung Wissen zu teilen, die hinter diesem verblüffenden Verhalten steht.

Nur warum haben auffällig viele Menschen in Hamburg diese Haltung, hingegen nur auffällig wenige Menschen in Berlin oder auch in meiner Herkunftsbranche, dem Schauspiel?

Nun, es gibt eine Parallele zwischen Schauspielern und Berliner: die Erfahrung des Mangels!

Und jetzt komme ich auf meine Theorie zurück!
Ich glaube Netzwerken, also das Teilen von Wissen und Kontakten, gelingt demjenigen viel besser der wenig oder gar keine Erfahrung von Mangel gemacht hat, familiär durch das Selbstverständnis der Fülle geprägt oder sich seiner Erfahrung mit dem Mangel bewusst ist.

Der West-Berliner an sich tut jedoch gerne so, als wenn unser Inselstatus ein besonderer Glücksfall gewesen wäre. Er hat uns zu was Besonderem gemacht! (Hat er ja natürlich auch 😉 )
Dass wir vollkommen abhängig waren und damit in unser Wohl und sogar Überleben von anderen gesichert wurde, haben wir lieber verdrängt. Subventionen waren unser Rohstoff und über den Filz, den das gezüchtet hat, mag ich echt nicht nachdenken…

Die meisten Schauspieler haben so was ähnliches im System.

Für Schauspieler gibt nur einen ganz, ganz klitzekleinen Markt und der hat auch noch knallharte Regeln, die obendrauf alles andere als politisch korrekt sind. In diesen Markt wollen wesentlich mehr Menschen als es Arbeitsplätze für sie gibt und ab einem bestimmten Alter (da starten in anderen Branchen Karrieren eigentlich erst) haben alle, die nicht schon durchgestartet sind, KEINE Chance mehr diesen Markt zu erobern. Zudem sind alle abhängig von der Gunst der bestimmter Menschen.
Zugleich erfährst du, wenn du Schauspieler bist und erzählst mit was du (versuchst!) dein Geld zu verdienen, eine spontane Erhöhung deiner Person, bar jeder Grundlage. Du bist was Besonderes. Diese anerkennenden, neugierigen Blicke sind schon sexy…

Ich war also zweifach mangelgeprägt, als ich bei diesem Mittagessen saß. Kein Wunder, dass ich kurz drüber nachdachte, was sich der Kerl eigentlich von seinem offenen und kooperativen Verhalten erhoffte und ob er mich vielleicht einfach nur angraben möchte.
Ich hätte mir damals niemals vorstellen können, dass jemand freiwillig so viel Wissen teilt ohne etwas dafür zu erwarten. Das er das einfach nur tut, weil er sich sicher ist, dass es sich irgendwann irgendwie auszahlt und bis dahin einfach nett ist.
Das können nur Menschen, die davon überzeugt sind, dass es genug für alle gibt.

Und das ist die Theorie, von der ich Dir erzählen möchte:

Effektiv und erfolgreich netzwerken Menschen, die sich zutiefst sicher sind, dass genug für alle da ist.
Menschen, die ein Gefühl des Mangels haben oder glauben zu wissen, dass es nicht genug für alle gibt, können dagegen nur schlecht bis gar nicht netzwerken.

Und deshalb ist es so wichtig HEUTE noch mit dem netzwerken anzufangen!
Einfach weil Du es besser nicht für den schnellen „Gewinn“ machst, sondern dafür dass es sich erst irgendwann, in so ca. 5 Jahren, auszahlen wird.
Zum Beispiel könntest du mit jemandem Essen gehen, dem Du genau damit einen Gefallen tust!

Vernetzt sind dieser Kerl von damals und ich übrigens noch heute und hilfreich und unterstützend wurde die Freundschaft die daraus erwachsen ist.
Und seid ein paar Monaten basteln wir das erste Mal zusammen an einem gemeinsamen Angebot und werde aus Probeiren, wie wirkliches Zusammenarbeiten wohl sein wird!

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