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©Marion Gretchen Schmitz

Mal Hand auf’s Herz, hättest Du Dir vor 15 Jahren vorstellen können, wie Du jetzt lebst?

Bei mir in der Nähe gibt es ein Rock-Cafe in einem alten Fachwerkeckhaus. Früher hatte der Laden einen großen Buntspecht an der Fassade, weithin sichtbar. Seid dem der Besitzer gewechselt hat, gibt es mehr Musik, aber keinen Specht mehr.
Der Laden heißt jetzt anders und doch wirkt er immer noch sehr ähnlich, denn das Haus ist einfach besonders und eben auffällig.

Deshalb ist es mir damals vor 15 Jahren auch so ins Auge gefallen, als ich mit meinem Agenturkollegen genau die Straße entlang gefahren bin, in der ich heute wohne.

Ich lebte damals in Berlin und wäre NIEMALS auf den Gedanken gekommen, ich könnte mal wegzuziehen.

Mein Kollege und ich waren auf Akquisetour in Hamburg unterwegs, hatten eben erfolgreich den letzten Termin hinter uns gebracht und suchten nun den Weg zurück auf die Autobahn nach Berlin. Ich weiß nicht, warum mir der Moment so stark im Gedächtnis geblieben ist. Die meisten anderen Momente und Augenblicke von unserer ersten Hamburgtour habe ich gründlich vergessen.
Den Anblick des Buntspechtes am Fachwerkeckhaus und mein euphorisches Gefühl dabei, habe ich nicht vergessen.

Und manchmal, wenn ich heute – von der einen oder anderen Seite – auf genau jenes Haus zufahre, erinnere ich mich an dieses Gefühl, dass ich damals, dank dieser mir komplett fremden Stadt, hatte.

Hätte mir damals jemand gesagt:  „Guck mal, in der Strasse wirst Du mal leben“, hätte ich ihn für bekloppt erklärt!

Ich gehörte FÜR IMMER nach Berlin-Schöneberg und natürlich war die Film-&Fernsehbranche der Bereich, in dem ich auf JEDEN FALL arbeiten wollte.

NIEMALS hätte ich gedacht, dass sich mein Leben heute hier in Altona abspielen wird und ich außerdem nur noch sehr peripher mit der F&F-Branche zu tun haben werde.

Seit damals ist bei weitem nicht alles richtig gelaufen. Ich habe so einiges einstecken müssen…

Aber dass mein fester Plan, für immer in Berlin-Schöneberg zu leben und als Schauspielerin zu arbeiten, nicht umsetzbar war, das ist mein großes Glück.
Habe ich das genau so geplant? – Nein!
Wozu dann also all das Planen, es kommt ja doch anders – als geplant?

Weil ich ohne meine „Fehlplanung“, niemals dahin gekommen wäre, wo ich jetzt bin!

Ausser meinen sehr konkreten Überzeugungen FÜR IMMER und NIEMALS und AUF JEDEN FALL, hatte ich ja noch andere Ziele. Und die waren weniger rigide, dafür um so konkreter und vor allem dringlicher.

Ich wollte selbstbestimmt arbeiten, denn ich hatte die Nase voll als kreativer Dienstleister abhängig zu sein. Ich wollte so viel wie möglich selber gestalten können, ich wollte wachsen und ich wollte mich entwickeln. Ich wollte Verantwortung für mein Weiterkommen tragen dürfen.

Dafür war es für mich wichtig zu entdecken, was es alles auf der anderen Seite meines Tellerrandes gab.  

Denn die Film-&Fernsehwelt dreht sich sehr viel nur um sich selber. Das ist vermutlich öfter so, wenn etwas sich eigentlich schon selber überholt hat. 😉
Es ist eine kleine Welt und eigentlich kennt jeder jeden. Das kann sehr kuschelig sein, aber auch sehr eng und ein bisschen retardierend…

Übrigens mein geliebter Berliner Westen ist auch so eine überholte Welt. Dort ist alles ein bisschen wie immer schon – doch immer schon war eigentlich ganz schön anders als jetzt…

Da ich aber nur das kannte, konnte ich in meiner Planung auch nichts anderes benennen, als das was ich schon kannte: Schöneberg und Schauspielerei.

Und doch habe ich die Veränderung geplant.

Ich wollte genau diese Veränderung.
Wenn ich auch dachte, ich würde sie in Schöneberg und als Schauspielerin bewirken.
Genau dafür habe ich eine meiner besten Schauspielerfähigkeiten eingesetzt: ich habe geprobt!
Es gab ein Ziel und ich wusste nicht, wie ich da hinkommen kann, weil ich nicht den leisesten Dunst einer Ahnung hatte, wie das gehen sollte. Und dann habe ich Fehler gemacht. Einen nach dem anderen.
Proben bedeutet per Ausschlussverfahren herausfinden, welche Lösung die Richtige ist.

Und dafür braucht es im Leben den Plan!

Beim Schauspielen hat man das fertige Buch als Arbeitsgrundlage und wenn man in der Arbeit entdeckt, dass man was am Buch verändern muss, dann tut man das (meistens…).
Im Leben ist DEIN Plan DEIN Buch und Du kannst es dem anpassen, was Du in Deinem eigenen „Probenprozess“ entwickelt hast.

Also ja! Ich habe wohl genau das geplant, was ich gelebt habe, auch wenn alles ganz anders gekommen ist.

Und ganz vielleicht hat dieser euphorische Moment damals im Auto, auf dem Weg zurück zur Autobahn nach Berlin, ja schon die Ahnung in sich getragen, dass mir Hamburg eben mehr bieten kann, als ich mir damals jemals hätte vorstellen können…

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